
Fibromyalgie, chronische Schmerzen & Gehirn
Fibromyalgie: Wenn der ganze Körper schmerzt – und das Gehirn den Schmerz steuert
Viele Menschen mit Fibromyalgie leben täglich mit weit verbreiteten Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Moderne neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Ursachen dieser Schmerzen nicht allein in Gewebe oder Gelenken zu finden sind, sondern dass das Gehirn bei ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung eine zentrale Rolle spielt.

Orientierung
Was Sie auf dieser Seite erwartet:
Fibromyalgie besser verstehen
Erfahren Sie, warum die weit verbreiteten Schmerzen bei Fibromyalgie häufig nicht allein durch Veränderungen an Muskeln, Gelenken oder anderen Geweben erklärt werden können.
Medizinische Befunde richtig einordnen
MRT, Röntgen oder Laborwerte liefern häufig keine eindeutige Erklärung für die Intensität und Verbreitung der Schmerzen. Sie erfahren, warum unauffällige oder unspezifische Befunde und starke Beschwerden kein Widerspruch sind.
Die Rolle des Gehirns
Erfahren Sie, wie das Gehirn Signale aus dem Körper interpretieren und verstärken kann und welche Rolle der sogenannte noziplastische Schmerz bei Fibromyalgie spielt.
Neue Behandlungsansätze kennenlernen
Lernen Sie gehirnzentrierte Ansätze wie Emotional Awareness and Expression Therapy (EAET) und Pain Reprocessing Therapy (PRT) kennen und erfahren Sie, welche neuen Perspektiven sie für die Behandlung chronischer Schmerzen eröffnen.
Fibromyalgie: Wenn Schmerzen den Alltag bestimmen
Für viele Menschen in Deutschland ist Fibromyalgie kein abstraktes Krankheitsbild, sondern tägliche Realität. Schätzungen zufolge sind etwa 2 % der Erwachsenen betroffen – das entspricht Hunderttausenden Menschen, die jeden Tag mit weit verbreiteten Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen leben müssen.
Die Schmerzen sind real und beeinträchtigen Beruf, Freizeit und soziale Beziehungen.
Trotz fortschreitender Medizin und modernster Diagnostik nimmt die Zahl der Betroffenen zu. Viele Patient fragen sich:
„Warum zeigen MRTs oder Blutwerte nichts Auffälliges, obwohl ich diese Schmerzen habe?“
Neueste Forschung aus den Neurowissenschaften legt nahe, dass die Ursachen für die Schmerzen nicht allein in Gewebe oder Gelenken zu finden sind, sondern maßgeblich im Gehirn liegen.
Kommen Ihnen diese Beschwerden bekannt vor?
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Weit verbreitete oder wechselnde Schmerzen im Körper
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Müdigkeit und anhaltende Erschöpfung
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Schlafstörungen
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Konzentrationsprobleme
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Starke Beschwerden, obwohl Untersuchungen keine eindeutige Erklärung liefern
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Eine lange Suche nach wirksamen Therapien
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Frustration oder Erschöpfung durch anhaltende Beschwerden


Wenn Bilder und Befunde keine eindeutigen Antworten liefern
Viele Patient:innen mit Fibromyalgie haben zahlreiche Untersuchungen hinter sich: MRTs, Röntgenaufnahmen oder Laboruntersuchungen sollen erklären, woher die Schmerzen kommen.
Doch Studien zeigen: Strukturelle Auffälligkeiten – sei es an Muskeln, Gelenken oder Organen – korrelieren kaum mit der Schmerzintensität oder der Verbreitung der Beschwerden. Anders gesagt: Die Schmerzen lassen sich durch rein anatomische Befunde nicht erklären.
Das bedeutet nicht, dass die Schmerzen eingebildet sind. Sie sind real – auch wenn die biomedizinischen Befunde keine eindeutige Ursache liefern.
Was bedeutet noziplastischer Schmerz?
Dieses Phänomen ist ein Kernmerkmal des noziplastischen Schmerzes.
Dabei interpretiert das Gehirn Signale aus dem ganzen Körper, verstärkt sie und hält den Schmerz aufrecht – selbst wenn die biomedizinischen Befunde keine eindeutige Ursache liefern.
Forschende wie Howard Schubiner, Yoni Ashar, David Clarke, Mark Lumley und Alan Gordon zeigen, dass diese zentralen Prozesse entscheidend sind und neue Therapieansätze ermöglichen.
Die Schmerzen sind real.
Dass sich keine eindeutige strukturelle Ursache finden lässt, bedeutet nicht, dass sie nicht existieren. Entscheidend ist, wie das Gehirn Signale aus dem Körper verarbeitet.

Wenn das Gehirn den Schmerz steuert
Wenn die Schmerzen nicht allein auf körperliche Veränderungen zurückzuführen sind, stellt sich eine wichtige Frage:
Wie lässt sich das Gehirn in die Behandlung einbeziehen?
Genau hier eröffnen neuere gehirnzentrierte Ansätze eine zusätzliche Perspektive. Zwei Ansätze haben sich dabei besonders herauskristallisiert: Emotional Awareness and Expression Therapy (EAET) und Pain Reprocessing Therapy (PRT).
Emotional Awareness and Expression Therapy (EAET)
EAET wurde von Lumley, Schubiner und Clarke entwickelt und richtet den Fokus auf Emotionen und Stress, die oft über Jahre unbewusst wirken.
Studien belegen, dass Patient:innen durch EAET ihre Schmerzintensität reduzieren, Schmerzen im Körper verringern und ihre alltägliche Funktionsfähigkeit verbessern können.
In einer großen Studie berichteten rund 35 % der Teilnehmenden von einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden, verglichen mit 15 % in den Kontrollgruppen.
Pain Reprocessing Therapy (PRT)
PRT und die kompakte Brief Pain Reprocessing Therapy (BPRT) setzen gezielt an den zentralen Prozessen des Gehirns an.
In einer Pilotstudie von Sturgeon et al. (2025) zeigten Betroffene nach BPRT:
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eine deutliche Reduktion der Schmerzintensität
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eine verbesserte Alltagsfunktion
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eine Verringerung schmerzbezogener Ängste
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42 % der Teilnehmer:innen fühlten sich nach drei Monaten deutlich besser
Fast 94 % der Teilnehmer:innen schlossen das Programm ab – ein Hinweis auf eine hohe Akzeptanz und praktische Umsetzbarkeit.
Diese Ergebnisse zeigen, dass gezielte Therapieansätze, die das Gehirn einbeziehen, reale und messbare Verbesserungen bewirken können.
Wie Fibromyalgie den Alltag belastet
Für Betroffene ist die Belastung häufig allgegenwärtig. Schmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme beeinträchtigen das Berufsleben ebenso wie Freizeitaktivitäten oder soziale Kontakte.
Viele berichten über Jahre der Suche nach wirksamen Therapien – häufig begleitet von Frustration und Erschöpfung.
Durch Ansätze wie EAET oder PRT richtet sich der Blick weg von der ausschließlichen Suche nach einem „defekten Körperteil“ und hin zu zentralen Gehirnprozessen, die den Schmerz aufrechterhalten können.
Die Beschwerden werden dadurch nicht infrage gestellt. Im Gegenteil: Es entstehen konkrete neue Ansatzpunkte für die Behandlung.

Was bedeutet das für Sie?
Wenn Fibromyalgie-Schmerzen nicht allein durch Veränderungen an Muskeln, Gelenken oder Gewebe erklärt werden können, eröffnet das eine wichtige neue Perspektive:
Schmerzverarbeitung im Gehirn kann verändert werden.
Das Gehirn ist lernfähig. Prozesse, die dazu beitragen, Schmerzen aufrechtzuerhalten oder zu verstärken, sind nicht zwangsläufig unveränderlich.
Genau hier setzen gehirnzentrierte und neuroplastische Therapieansätze an. Sie richten den Blick auf die zentralen Mechanismen der Schmerzverarbeitung und eröffnen damit konkrete Möglichkeiten, diese gezielt zu beeinflussen.
Das bedeutet nicht, Schmerzen zu ignorieren oder sie als „psychisch“ abzutun. Im Gegenteil: Die Schmerzen sind real. Das Verständnis der zugrunde liegenden Prozesse schafft jedoch neue Ansatzpunkte für die Behandlung.
Forschung zu EAET und PRT/BPRT zeigt, dass Therapieansätze, die auf diese zentralen Mechanismen abzielen, Schmerzen, Funktionseinschränkungen und Schmerzangst positiv beeinflussen können. Sie können klassische multimodale Behandlungskonzepte ergänzen.
Neue Perspektiven für Fibromyalgie
Für Patient:innen bedeutet dieses Wissen vor allem eines: Die Suche muss sich nicht ausschließlich darauf konzentrieren, wo im Körper etwas „kaputt“ sein könnte.
Wenn das Gehirn eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung chronischer Schmerzen spielt, kann auch dort therapeutisch angesetzt werden.
Ziel ist es, die Schmerzverarbeitung gezielt zu verändern und neue Reaktionsmuster zu ermöglichen – wissenschaftlich fundiert und ohne die Beschwerden der Betroffenen infrage zu stellen.
Ihre Begleitung
Dr. Susanne Schröder
Ich begleite Menschen mit chronischen Beschwerden auf Basis moderner Erkenntnisse aus Neurowissenschaft, Schmerzmedizin und Mind-Body-Medizin.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Schmerz selbst, sondern das Verständnis der Prozesse, die chronische Beschwerden im Gehirn und damit im Nervensystem aufrechterhalten können.
Ziel ist es, Zusammenhänge verständlich zu machen, Sicherheit zurückzugeben und individuelle Wege aufzuzeigen, wie chronische Schmerzen und Symptome positiv beeinflusst werden können.

Dr. med. Susanne Schröder
Fachärztin für Anästhesie
Mind-Body-Medizin
Naturheilverfahren
Wie ich behandle
Fibromyalgie neu verstehen – und Schmerzverarbeitung gezielt beeinflussen
SCHRITT
01
Verstehen
Analyse Ihrer Beschwerden und möglicher Zusammenhänge zwischen Gehirn, Nervensystem, Stress und Schmerzverarbeitung.
SCHRITT
02
Einordnen
Verständliche Erklärung der Prozesse im Gehirn und Nervensystem.
SCHRITT
03
Verändern
Individuelle Strategien zur nachhaltigen Schmerzreduktion mithilfe evidenzbasierter Techniken der Mind-Body-Medizin.
Was Sie erwartet
15-minütiges Informationsgespräch bei Bedarf
Es besteht die Möglichkeit eines kurzen Informationsgesprächs in der Praxis oder als Videosprechstunde zur ersten Orientierung.
Individuelle Einschätzung Ihrer Beschwerden
Die Behandlung orientiert sich an Ihrer persönlichen Situation und berücksichtigt sowohl körperliche als auch nervensystembezogene Faktoren.
Erstgespräch (60 Minuten)
Im Erstgespräch werden Ihre Beschwerden, der bisherige Krankheitsverlauf sowie mögliche Zusammenhänge ausführlich betrachtet. Es erfolgt eine detaillierte medizinische Einordnung der Beschwerden.
Begleitung über mehrere Termine
Chronische Beschwerden entwickeln sich meist über längere Zeit. Ziel der Begleitung ist es, Prozesse verständlich zu machen und nachhaltige Veränderungen zu unterstützen. Der Zeitraum ist hierbei individuell sehr unterschiedlich und wird von Ihnen mit gestaltet.

Literaturauswahl (Auszug)
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Sturgeon JA, Trost Z, Ashar YK, Lumley MA, Schubiner H, Clauw DJ, Hassett AL. Brief pain reprocessing therapy for fibromyalgia: feasibility, acceptability, and preliminary efficacy pilot. Reg Anesth Pain Med. 2025.
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Lumley MA, Schubiner H, Lockhart NA et al. Emotional awareness and expression therapy, CBT, and education for fibromyalgia: cluster-randomized controlled trial. Pain. 2017.
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Hsu MC, Schubiner H, Lumley MA et al. Sustained pain reduction through affective self‑awareness in fibromyalgia. J Gen Intern Med. 2010.
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Ashar YK, Gordon A, Schubiner H et al. Pain reprocessing therapy vs placebo and usual care for chronic pain.JAMA Psychiatry. 2022.